Seasons after Fall im Test: Flauschig, süß und platt!

Hinter dem Horizont

Wer von euch erinnert sich noch an den Film mit Robin Williams? Indem er stirbt und wir als Zuschauer sehen, wie das Leben nach dem Tod ist. Was das jetzt mit dem Spiel zu tun hat, fragt ihr euch? Ganz einfach. Der Film hat Momente in denen es scheint als sei die Welt in der wir uns befinden ein riesiges Gemälde. Genau das haben wir auch bei Seasons after Fall. Der Indie Titel ist vor allem optisch ein Meisterwerk. Wir als Spieler merken bereits in den ersten zwei bis drei Stunden, wie viel Liebe hier hinein gesteckt wurde.

Dann können wir uns gar nicht mehr richtig darauf konzentrieren denn die Rätsel treten so weit in den Vordergrund, dass wir uns gar nicht mehr großartig auf die Optik einlassen. Was aber besonders hervorsticht sind die tollen Unterschiede zwischen den ganzen Jahreszeiten, zwischen denen man wechseln kann. So sieht alles immer völlig unterschiedlich aus. Das Einzige das man kritisieren kann ist, dass es an vielen Stellen böses Kantenflimmern gibt, was man natürlich verkraften kann dennoch fällt es ab und an ins Auge.

Genauso wie die Texturen, die wie schon gesagt zwar alle handgemalt sind, aber dennoch fehlt es in manchen Gebieten an besonderen, im Kopf hängenbleibenden Elementen bei denen man sich sagt „Wow das war wunderschön“, so etwas gibt es leider nie im Spiel.

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Wie ein laues Lüftchen

In Seasons after Fall übernehmen wir die Rolle einer kleinen Knospe, die sich den Körper eines Fuchses aneignet. Wir als Spieler rennen von da an als Fuchs von rechts nach links, um die Herrscher der Jahreszeiten zu finden und um Letztere dann zu beherrschen. Wie die Geschichte weiter geht, werde ich hier aber nicht spoilern – das wird schon von dem Spiel übernommen. Der Indie Titel hat nämlich ein gewaltiges Problem und das ist seine Geschichte.

Das Spiel versucht von Anfang an eine gewisse Spannung aufzubauen, davon aber ist leider nie irgendetwas zu spüren, ganz im Gegenteil. Das Spiel wirkt einfach viel zu kindlich, um es als Erwachsener wirklich ernst zu nehmen. Als Beispiel kann man da Ori and the blind Forest nenne. Dieses Spiel fängt mit einem fürchterlich traurigen Auftakt an und baut seine Spannung kontinuierlich auf. So das wir als Spieler nie genau wissen wo die Geschichte am Ende hin will. Bei Seasons after Fall jedoch ist das anders, wir können immer hervorsehen, was gleich passieren wird. Überraschungen gibt es gar keine in dem Titel. Für Niedlichkeit ist dank des endlos süßen Protagonisten gesorgt, doch Momente, die uns wirklich zusammen zucken lassen oder ein Plot-Twist, oder im Kopf hängen bleibt, kommen leider gar nicht in den 6 Stunden Spielzeit vor.

Das Positive aber ist, dass das Spiel in der zweiten Hälfte anfängt, einen gewissen Drive zu entwickeln, der den Spieler einsaugt – aber hier bleibt das bestehende Problem mit der Vorhersehbarkeit der Geschichte allgegenwärtig. Hätte man sich mehr Raffinessen, interessantere Handlungsstränge und glaubwürdigere Storyverläufe einfallen lassen, hätte Seasons after Fall definitiv eines der besten Spiele des Jahres werden können.

Unter dem Radar

Warum hat die Kategorie „Technik“ jetzt bitte den Titel „Unter dem Radar“? Ganz einfach, Seasons after Fall ist wie ein unsichtbares Flugzeug das ganz gemütlich unter dem Radar fliegt. Ihr wisst immer noch nicht was wir meinen? Ganz einfach, das Spiel besticht nicht mit großen aufwendigen Höhepunkten in der Technik. Die Animation der Charaktere ist leider sehr steif, was man natürlich im Gesamtkonzept verkraften kann, es fällt im ersten Moment aber eher negativ auf.

Außerdem hat das Spiel einige nervige Probleme. Eines davon ist, dass sich das Spiel meistens nach dem Ladebalken freezed oder es hakt gelegentlich mal. Auch einen Absturz des Spieles durfte ich miterleben, was wirklich nicht angenehm war, da Seasons after Fall schlecht positionierte Checkpoints bietet und ich ungefähr 15 Minuten neu spielen musste. Freies Speichern während dem Spiel gibt es übrigens nicht, das heißt der Spieler muss sich ganz auf die Checkpoints verlassen. In dem Bereich Technik hat der Indie Titel aber auch einige positive Aspekte.

Einer davon ist, dass alle Rätsel problemlos funktionieren und es an sich keine Bugs gibt. Die Rätsel sind immer logisch platziert und sie funktionieren so rund wie es für ein solches Spiel sein soll. Auch der Wechsel der Jahreszeiten funktioniert problemlos, auch wenn es etwas stört, dass der Fuchs dafür erst schweben muss, was wenige Sekunden dauern kann, lässt sich das noch als positiv verbuchen. Am Ende ist Seasons after Fall im Bereich Technik ein Spiel das nicht sonderlich auffallen wird. Es hat seine Probleme, aber es hat auch richtig ordentlich funktionierende Features die den ganzen negativen Teil etwas verschleiern.

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Mozart würde sich verneigen!

Jetzt kommen wir mal zu dem Klang, der Musik und allem was mitschwingt. Nein, nicht das was ihr denkt… Ich rede von der gesamten Klangkulisse in Seasons after Fall. Das Stärkste an diesem kleinen Indie Spielchen ist nicht nur die wundervolle Optik, sondern auch die traumhafte musikalische Untermalung.

Die Musik ist mit einem Orchester eingespielt, das merkt man sofort, denn mit solch einer Musik wird man in das Spiel geworfen. Streicher, Klarinetten – alles gibt es hier zu hören und zu jeder Sekunde klingt es atemberaubend. Nicht nur die Musik macht seinen Job großartig, sondern auch die Sounds. Der starke Wind klingt wie starker Wind. Das Geraschel der Gräser und der Blätter auf den Bäumen klingen auch so wie sie sollen. In jeder Sekunde dieses Spieles merkt man, mit wie viel Liebe die ganze Musik inszeniert wurde. Das überträgt sich auch auf den Spieler.

Eine ganz wichtige Sache ist auch, dass sich die Musik an die Jahreszeit anpasst die wir auswählen. Beispielsweise der Winter. Wählen wir diesen aus, so ertönen ruhigere Töne. Im Frühling geht die Musik ordentlich ab, wegen Stürmen, Regen und anderen Naturkatastrophen die es zu sehen gibt. In dieser Kategorie gibt es einfach keinen negativen Punkt, was uns sehr freudig macht, denn endlich haben wir einen Favoriten für den besten Soundtrack 2016!

Walk the Line

Walk the Line ist hier absolut zutreffend. Denn auch das Leveldesign ist ein großer Minuspunkt bei diesem Spiel. Am Anfang macht die ganze Welt in der wir uns befinden, einen Heidenspaß. Wir Hüpfen von Hügel zu Hügel, können auf Bäumchen rumspringen doch das war’s auch schon. Nach gefühlt einer Stunde ist auch schon die Magie der optisch sehr schönen Spielwelt dahin. Alles wiederholt sich in unterschiedlichen Farben.

Das Einzige das Abwechslung rein bringt sind die Jahreszeiten, doch auch die werden irgendwann eher langweilig. Wir rennen also durch die immer gleich aufgebauten Areale wo wir ab und an ein paar aufploppende Blumen finden. Motivation sieht also anders aus. Bei 6 Stunden Spielzeit hätte auf jeden Fall mehr drin sein müssen als die immer wieder gleichen Areale.

Was aber positiv an dieser sehr negativen Kategorie ist, ist, dass sobald wir in der ersten Hälfte des Spieles eine neue Jahreszeit zu den Steinen bringen müssen, (ja das klingt komisch) macht das Spiel wieder viel mehr Spaß und bringt deutlich mehr Abwechslung. Es werden neue Mechaniken integriert und alles fühlt sich runder an. Doch danach kommt direkt wieder die Ernüchterung und alles geht weiter wie bisher.

Fazit

Seasons after Fall ist eine leichte Enttäuschung. Wir haben gehofft, dass es vielleicht in die doch sehr großen Fußstapfen von Ori treten kann, doch das wurde nichts. Die Geschichte ist einfach viel zu vorhersehbar und hat einfach nahezu keine Höhepunkte zu bieten. Auch die Technik hat viel mehr Schatten als sie Licht haben sollte, denn niemand sollte Lags oder Abstürze haben wenn man auf Escape drückt. Außerdem ist die Spielwelt viel zu gleich und es macht keinen Spaß mehr sich wirklich auf alles einzulassen. Das einzig wirklich Positive an diesem Spiel ist die herausragende Optik und der wundervolle Soundtrack der einem das Herz höher schlagen lässt. Am liebsten würden wir uns das Album kaufen, oder die Szenen als Gemälde an die Wand pinnen. Im Großen und Ganzen ist Seasons after Fall ein Spiel das durchaus okay ist vor allem für die junge Generation aber für Leute über 18 wird es dann doch zu schwer einen Zugang zu dem Spiel zu finden.

Seasons after Fall

Seasons after Fall
6.2

Story

5/10

    Grafik

    8/10

      Technik

      5/10

        Inszenierung

        8/10

          Spielwelt

          5/10

            Pros

            Cons

            geschrieben am: 5. Februar, 2017 um 6:25 pm | zuletzt aktualisiert am 4. März 2017 um 5:39 pm

            Autor:

            Johnny

            Johnny